Artikel über die 250-Jahr-Feier und die Handwerkertage aus dem Osterholzer Kreisblatt vom 12.9.05

 
Mielke: Ich warte auf die 500-Jahr-Feier
Ströher feierten 250-jähriges Bestehen des Ortes / Handwerkertage


Von unserem Mitarbeiter
Peter von Döllen

HAMBERGEN.

Am 7. Juni 1755 standen elf Männer im Amtshaus in Osterholz. Sie waren entschlossen, ihre Häuser auf das abgebrannte Moor "Im Ströh" zu setzen. Einige Zeit vorher war das Amt zu dem Schluss gekommen, das Land eigne sich nur noch für eine Ansiedlung. Aus den wenigen Familien, die unter den widrigsten Umständen begannen, sind heute 910 Einwohner geworden. Aus der kleinen Ansiedlung wurde der Ort Ströhe. Das war vor 250 Jahren.

Grund genug für eine große Feier am Wochenende. Zahlreiche Einwohner und Gäste hatten sich vergangenen Freitag in das Festzelt beim Heimatmuseum eingefunden, um das Ereignis zu würdigen. Die Feier fand an einer Stelle statt, die zum Inbegriff des Heimatgefühls geworden ist: in der Museumsanlage in Ströhe. Hier hat der Heimatverein in jahrelanger Arbeit ein Stück Erinnerung und Kultur bewahrt. "Die Anlage mit dem Heimathaus und der Moorkate ist die gute Stube von Hambergen", sagte Bürgermeister Uwe Brauns in seiner Festrede. Es verwundere nicht, wenn von den zahlreichen Vereinen in Ströhe der Heimatverein mit der Organisation der Jubiläumsfeier betraut worden sei.

Vor 25 Jahren bei der 225-Jahrfeier hatte noch der Gesangsverein die Aufgabe übernommen. "Damals wurde auch der Grundstein für die Museumsanlage gelegt", erinnerte Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen. "Inzwischen habe das Museum überregionale Bedeutung. Landrat Dr. Jörg Mielke zeigte sich von dem Jubiläum beeindruckt. "Der Landkreis besteht erst seit 140 Jahren", betonte er zum Vergleich.
Pünktlich hatte der Vereinsvorsitzende Werner Prigge das Fest eröffnet. Brigitte Brunssen führte durch das abwechslungsreiche Festprogramm. Der gemischte Chor und der Posaunenchor setzten im ersten Teil die musikalischen Akzente. Später übernahm die Akkordeongruppe Teufelsmoor den Part. Zwischendurch gaben die Jagdhornbläser der Jägerschaft Osterholz eine Kostprobe ihres Könnens.

Großen Beifall erntete auch die Tanz- und Trachtengruppe Buschhausen. Sie präsentierte einige traditionelle Tänze. Den frischen Butterkuchen aus dem Steinofen spendete der Heimatverein, der Kaffee kam vom gemischten Chor. Renate Bunk sorgte für einen reibungslosen Ablauf im Zelt. Zu den Ehrengästen gehörte auch Pastor Ulrich Marahrens, der an die Verbundenheit der Moordörfer zur Kirche erinnerte. Die Kirche habe immer eine große Rolle gespielt. Doch nie habe es eine eigene Kirche in Ströhe gegeben. Werner Prigge überreichte den Ehrengästen und den wichtigsten Helfern als Dankeschön ein Hufeisen.
Eine Festschrift gab es bei diesem Jubiläum nicht. Stattdessen hatte der Heimatverein ein Back- und Kochbuch zusammengestellt. Mareike Gerken hatte dafür nach Rezepten gestöbert. Fast 140 kamen zusammen. Das Buch ist eine Mischung aus alten und modernen Rezepten.
Ohne Chronik geht es bei einem so wichtigen Jubiläum nicht: Bernd Salewski hatte sich in den Archiven umgesehen und dabei viele wichtige Dokumente gefunden. Zusammen mit Ulrich Meyer, Peter Wellbrock und Johann Stelljes ordnete und übersetzte er die vielen, mit alten deutschen Buchstaben, skizzierten Aufzeichnungen. "Das war eine anstrengende, aber sehr interessante Arbeit", verriet Salewski. Aus den Unterlagen und Fotos hat die Truppe eine sehenswerte Ausstellung zusammengestellt.

Zusammen mit zusätzlichen Fotos aus dem Archiv von Dieter Weiser aus Worpswede lässt sie alte Zeiten wieder aufleben. Neben der Geschichte des Ortes beleuchtet sie auch die Schicksale einiger Familien, die am 3. Dezember 1850 in Ströhe ansässig waren. Viele Besucher erinnerten sich an Menschen oder Geschichten von früher. "Das war doch ...", hieß es oft. Die Ausstellung war auch während der anschließenden Handwerkertage zu bewundern. Während die Jubiläumsfeier mit einem Grillabend endete, richteten sich die Blicke schon auf die Zukunft. "Ich warte auf die 500-Jahr-Feier", meinte Landrat Mielke.