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Das Moor – so nah und doch so fremd

Der Heimatverein Ströhe-Spreddig macht das Moor bekannter

Von unserem Mitarbeiter
Andreas Hanuschek

Hambergen.

Für die Mitglieder des Heimatvereins Ströhe-Spreddig stand am Sonntagmorgen eine Moorwanderung auf dem Programm. Von der Moorkate aus ging es über den Rundweg in den nördlichen Teil des Naturschutzgebietes Wulfsburger Moor und führte zu einem Grillessen zur Moorkate zurück. Rund zwei Stunden dauerte der Marsch und machte den Teilnehmern das nahe und doch fremde Moor ein Stück bekannter.
Schon nach rund einem Kilometer teilte Werner Prigge mit: „Jetzt verlassen wir die Ströher Geest und gehen ins Moor. So klein ist Ströhe“. Ein kleiner Pfad führte ins Moor und passend zum Abschied aus der Zivilisation zogen am Himmel kreischend einige Wildgänse gen Süden. Der Weg war nur ein wenig feucht und führte zum Speckgraben. Unglaublich, dass dieser kleine Graben früher voll mit Wasser war und die Torfkähne auf ihm nach Bremen schipperten.
Hans Heißenbüttel und Werner Prigge führten die Gruppe an. Sie wussten mit vielen Geschichten und Anekdoten ihre Gäste zu unterhalten. An einer Torfbank, wo auch eine alte Lore steht, erklärte Prigge: „Hier haben wir früher noch Torf gestochen. Das ist alles Weißtorf, der sieht nur so schwarz aus, weil er ganz nass ist. Den Schwarztorf haben die Bauern früher im Ofen verbrannt, aber das ist heute nicht mehr möglich und verboten.“
Obwohl auf der Tour auch Sonnentau zu sehen war, ist an den vielen Birken zu erkennen, dass das ehemalige Hochmoor nicht mehr intakt ist. Hochmoore sind im natürlichen Zustand baumfreie Landschaften. Heißenbüttel erklärte: „Die Birken bedeuten den Tod eines jeden Moores, da sie die Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen. Das mag gut für das vorhandene Wild sein, aber keinesfalls für das Moor.“ Prigge wusste gar, dass eine ausgewachsene Birke täglich bis zu 1600 Liter Wasser aufnimmt.
Der Weg führte weiter zu einer aktuellen Abbaustelle, wo noch heute für den Privatbedarf Torf gestochen wird. Wenige hundert Meter weiter ging es über eine große Freifläche. Prigge: „Hier hatten wir große Sturmschäden, es steht kein Baum mehr. Sieht das nicht viel schöner aus?“ Der Moorführer berichtete aus alten Zeiten, vom zwölfstündigen Arbeitstag im Moor. Neben dem Verkauf vom Torf reichte der Landbevölkerung eine Ziege, eine Kuh und ein paar Kartoffeln zum Überleben. Von ehemals 28 Bauern in Ströhe, gäbe es heute nur noch zwei.
Das nächste Ziel war ein Moorteich, der still zwischen den Bäumen liegt. Die Ströher haben für ihn einen eigenen Namen, das „grundlose Wasser“. Es war wie eine Wanderung auf Wolken, der Boden schwang mit jedem Schritt mit. Jeder Hopser der Wanderfreunde war zu spüren. Der Teich war früher viel größer und hier beluden die Torfstecher die Kähne. Prigge meinte, dass wohl in 50er Jahren der ganze Teich zugewachsen sei.
Auch die Frage nach Fischen konnte Prigge beantworten. „Es gibt keine, denn das Wasser ist voll von Salpeter und das mögen die Fische nicht.“
Es lohnt sich übrigens immer, sich in unmittelbarer Nähe der Moorführer aufzuhalten. Der sieht so manche Dinge, die ein Wanderer übersieht. So wies Heißenbüttel auf einen noch bewohnten Habichthorst hin und ihm entging auch nicht die abgestreifte Haut einer Ringelnatter, die zehn Meter vom Pfad entfernt im Gebüsch lag. Leider lag ein Stückchen weiter auch ein Fernsehgerät im Moor.
Über den Ströher Damm ging es zurück zur Moorkate. Wer noch Zeit hatte, streifte ein wenig übers Gelände und verschaffte sich einen Einblick in die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Moorbauern.